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Doris Bardong

Skulpturen und Objekte

Werke

Vergängliche Momente

In der Gemäldeserie "Vergängliche Momente" wird das Wechselspiel zwischen Naturform und künstlerischer Setzung erforscht. Auf quadratischen Keilrahmen werden dafür intensive Farbflächen in den natürlichen Silhouetten gefundener Naturformen wie Gräser, Äste und Blätter kombiniert. Mehr…

Dabei wird an die malerischen Anfänge angeknüpft und es stellen sich grundlegende Fragen der Komposition. So dienen die Pflanzen nicht als Abbild der Natur, sondern als Ausgangspunkt für eine spannungsreiche Komposition.

In dieser Serie gelingt die künstlerische Reflexion über das Sichtbare und das Verborgene, über das, was bleibt, und das, was nachklingt.
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Connecting

Connecting

Die Serie „Connecting“ entspringt dem Spannungsfeld zwischen gewachsenen und konstruierten Strukturen. Zwei gegensätzliche Elemente treten in einen ästhetisch wie konzeptuell spannenden Dialog: geometrische und präzise gestaltete Keramikelemente werden an einer zentralen, runden Öffnung von naturbelassenen Zweigen durchdrungen und schaffen so einen Moment der Begegnung. Mehr…

Die Äste wurden wegen ihrer grafischen, ja fast schon kalligraphischen Qualität ausgesucht und bilden mit ihrem dunklen Liniengebilde den Kontrast zu den vergoldeten oder gekalkten Formen. In diesem Gegenüberstellen von glatter Materialität des Tons und der rauen Oberflächentextur der Zweige entfaltet sich ein Wechselspiel aus organischer Lebendigkeit und strenger Konstruiertheit.

Dabei werden diese Gegensätze nicht nur nebeneinander gestellt, sondern setzt in ein dynamisches Kräfteverhältnis gesetzt: der bändigenden, umschließenden Kraft wird im gleichen Maße eine ausbrechende und auseinanderstrebende gegenübergestellt. Damit verhandelt Connecting grundlegende bildhauerische Fragen der Balance von Gegensätze
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Dürre

Mit der Serie „Dürre“ wird der Blick auf den Boden gelenkt – auf das, was oft unbeachtet überschritten wird. Die gebrannten Keramikplatten tragen Abdrücke von Zweigen und machen so Unsichtbares sichtbar. So entstehen reliefartige Strukturen, in denen sich Spuren vergangener Lebendigkeit erhalten. Mehr…

Wie in vielen der Werkreihen kreist das Interesse um Spur, Abwesenheit und Transformation. Es werden Wege gefunden, diese Themen nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar zu machen, wenn in den Reliefplatten mit dem Wechsel von Form und Leere, Positiv- und Negativraum, An- und Abwesenheit experimentiert wird.

Das Material Ton verstärkt diese Auseinandersetzung. Als elementarer Werkstoff durchläuft es Prozesse des Formens, Pressens und Brennens – ein Zyklus von Verwandlungen, der sich im Werk selbst widerspiegelt.

Doch Dürre ist keine Inszenierung von Vergänglichkeit allein. Es wird zeigt, dass das, was abgestorben scheint, oft den Grundstein für Neues legt. So wie Wasser trockene Erde wiederbelebt, werden auch Tothölzer zur Grundlage neuer Kreisläufe und bieten unzähligen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung.

Auf diese Weise changieren ihre Arbeiten zwischen Erinnerung und Neuanfang und veranschaulichen den ständigen Wandel natürlicher Prozesse und ihren Spuren.
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Bags

In der Serie "Bags" wird das skulpturale Potenzial alltäglicher Objekte erforscht. Ausgangspunkt der Arbeit sind reale Handtaschen, die analysiert, dekonstruiert und in keramische Form überführt werden. Durch die detailgetreue Nachbildung von Faltenwurf, Oberflächenstruktur und Farbigkeit erscheinen die Werke auf den ersten Blick nicht als Skulpturen, sondern als funktionale Alltagsgegenstände – eine visuelle Täuschung, die sich erst beim Hochheben auflöst. Mehr…

Dieser Moment der Irritation ist konstitutiv und künstlerische Strategie. Indem originale Elemente der Taschen in die keramischen Objekte integriert werden, verstärkt sich gezielt die Ambivalenz zwischen Replik und Ursprung. Gleichzeitig stellt sich damit die Frage nach Wert, Erinnerung und Verfall in den Raum. Während die keramischen Oberflächen durch ihre feine Detailtreue den Eindruck von Materialverfall evozieren, bewahren die verbliebenen Originalfragmente eine Spur der funktionalen Vergangenheit.

Dies Arbeiten befinden sich im Spannungsfeld von Skulptur und Illusion. Indem sie Materialeigenschaften imitiert, Erwartungshaltungen unterläuft und die Grenzen zwischen Original und Nachbildung verwischt, werden Werke geschaffen, die sich der eindeutigen Kategorisierung entziehen – stets changierend zwischen Vertrautheit und Fremdheit.
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Asphaltlinie

Die Bodenarbeit "Asphaltlinie" besteht aus fünf quadratischen Fotografien (je 30 × 30 cm), die auf dem Boden zu einer durchgehenden Folge angeordnet sind. Gezeigt werden Asphaltflächen mit dunklen Reparaturspuren aus Bitumen. Indem die Linienenden an den Kanten der Fotografien aneinandergesetzt werden, entsteht eine neue, künstliche Linie, die es in der Realität nicht gibt. Mehr…

Die Arbeit entwickelt sich aus den Gegensätzen von Fläche und Spur, Bruch und Verbindung. Die dunklen Bitumenlinien markieren Stellen der Störung – kleine Schäden an der Straßenoberfläche – und deren technische Korrektur. Sie sind die erste Maßnahme gegen das Auflösen eines Systems, dass dem modernen Menschen ununterbrochene, komfortable Bewegung verspricht: das Straßennetz. Eine gelungene Reparatur bleibt unbemerkt. Asphaltlinie setzt genau hier an: Sie lenkt den Blick auf das Übersehene, hebt hervor, was man vergisst, wenn es gelingt. Auf diese Weise wird, was als technischer Eingriff gedacht ist, zur ästhetischen Setzung und zum Betrachtungsgrund.

Die Risse folgen oft organischen Mustern. In ihnen zeigt sich eine unaufdringliche Schönheit des Verfalls: Narben, die Brüche sichtbar halten und zugleich Übergänge schaffen. Sie erzählen die stille Geschichte von Nutzung, Abnutzung und der ständigen Anstrengung, Komfort zu bewahren. Sichtbarkeit und Vergänglichkeit stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern bedingen einander.

Asphaltlinie verhandelt das Thema Über Brücken auf einer abstrakten, materiellen Ebene. Die einzelnen Bilder der Reparaturlinien werden durch ihre bewusste Positionierung im Raum zu einer durchgehenden Linie aus Brüchen. Als Bodenarbeit bleibt sie unbegehbar und erfüllt in diesem Sinne ihre technische Funktion nicht. Stattdessen dokumentiert sie den Akt des Sichtbarmachens: von übersehener Schönheit, von gesellschaftlichen Ansprüchen und der Einsicht, dass sich Zusammenhänge herstellen lassen.
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Titties

In der Serie "Titties" wird sich auf spielerische Weise mit Form und Wahrnehmung der weiblichen Brust auseinander. Sie umkreist die Frage, wann eine Brust als solche erkannt wird, mit einer Serie von bunten Styroporhalbkugeln, die sie durch handgefertigten "Brustwarzen" aus weißem Ton individualisiert. Mehr…

Manche dieser Brustwarzen sind weiche Formen, die die Fingerspuren der Künstlerin tragen; andere sind geometrisch präzise ausgeführt.Oft werden unerwartete Alltagsgegenstände hinzugefügt, wie bunte Stecknadeln, Streichhölzer, Steine oder Kabel. Mit diesen Irritationen wird die kulturellen Konnotationen unterwandert, die mit der Brust verbunden sind und eine humorvolle, zugleich kritische Reflexion über deren gesellschaftliche Wahrnehmung an angeregt wird.

In ihrer Kombination aus wiederkehrender Grundform in poppiger Farbigkeit und individuell gestalteten Elementen bewegen sich die Werke an der Grenze zwischen Figur und Abstraktion. Die Brust wird durch diesen Prozess nicht nur als Körperteil, sondern als Material und Idee behandelt - über dessen Reichweite der Betrachter entscheidet.
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Begegnung

In der Serie "Begegnung" wird die Interaktion zwischen zwei skulpturalen Körpern angeregt: die eine der beiden, weiß gekalkten Keramikfiguren ist eher horizontal ausgerichtet, geschlossen und kompakt, während die andere sich vertikal erhebt, mit expandierenden Elementen und einem Loch in der runden Mitte. Mehr…

Anhand dieser unterschiedlichen Ausrichtungen und Strukturen beschäftigt sich die Künstlerin mit der Frage, welche Charaktereigenschaften und Temperamente man den jeweiligen Formen zuschreiben könnte und ob sich allein aus der Kombination von Einzelteilen Aussagen über das Wesen einer Form ableiten lassen.

Auf spielerische Weise wird die menschliche, von Gegensatzpaaren geprägte Formsprachen untersucht. Das Interesse gilt nicht festen Bedeutungszuschreibungen, sondern auch dem Raum, in dem die Formen als Codes miteinander in Wechselwirkung treten und vom Betrachter aufgenommen und interpretiert werden können.
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Kartoffelkiste und Zaubergarten

Immer wieder wird auch zum bevorzugten Material Ton zurückgekehrt, um mit Formen und Strukturen zu experimentieren. Dabei findet die Orientierung häufig an Formen statt, die sich in der Natur finden und mit geometrischen Elementen in Beziehung gesetzt werden. Mehr…

Durch die weiße Bemalung werden diesen Skulpturen ihre materielle Schwere genommen – sie erscheinen leicht und anpassungsfähig und laden den Betrachter ein, sie mit den Händen zu ertasten und ihre Form zu erfahren.

Während einige Figuren in sich gekehrt wirken, wie die Objekte der Kartoffelkiste, treten andere, wie die acht Skulpturen des Zaubergartens, als individuelle, klare Präsenz dem Betrachter gegenüber.

Ihre Werke entstehen durch Testen, Variieren und Kombinieren, wobei jedes Objekt eine eigene Identität entwickelt und die Freude der Künstlerin am Formen widerspiegelt.
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Lavinia

Paul Klee sagte einst: "Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren geht." In den Skulpturen der Serie "Lavinia" wird dieser Gedanke auf faszinierende Weise in den Raum übertragen. Es wird mit zwei unterschiedlichen Konzepten von Linien gearbeitet: der Umrisslinie, die neue Formen definiert, und der freien Linie, die sich selbst genügt und als eigenständiges Element den Raum durchzieht. Mehr…

Die Arbeiten vereinen sowohl figürliche als auch abstrakte Eigenschaften. Sie zeigen Tonbänder und -schlaufen, die sich winden, überlagern und neue Binnenformen entstehen lassen, die vage an natürliche Strukturen oder Urbausteine der Natur erinnern.  Auch wenn die Wandreliefs leicht und spielerisch wirken, sind sie doch präzise durchdachte Kompositionen.

Das Interesse gilt ebenso für die Leere des Umraums wie für die freien Flächen der umschlossenen Raumteile, in denen kleine und große Binnenformen kontrastreich gegeneinander gesetzt werden. Dabei wird die Flexibilität des Tons genutzt, um Linien körperlich erfahrbar zu machen und sowohl negative als auch positive Räumlichkeit erkundet werden.
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Bei Tag und Nacht, Sonne und Wind …

In der Arbeit "Bei Tag und Nacht, Sonne und Wind" werden gefundene Materialien in eine fragile und dauernd veränderte Balance gesetzt. In der bislang umfangreichsten Arbeit werden 80 unterschiedliche Arrangements aus Dosendeckeln, Drahtstücken und Nägeln auf einer weißen Platte fotografisch festgehalten. Mehr…

Dabei wird die Schönheit der Fundstücke zelebriert, ohne sie zu überformen. Die grünen schwarzen und violetten Farbfelder auf den Deckeln sind die einzigen bewussten Eingriffe und betonen den Kontrast zwischen geometrischen Akzenten und freien Linienformen. Während die Dosendeckel flach bleiben, verleihen die Schatten der Drähte eine zarte Körperlichkeit. Die Arbeit wirkt damit weniger skulptural als grafisch – eine Komposition aus Linie, Fläche, Rhythmus und Spannung.

Die bewusst gewählte fotografische Repräsentation betont den ephemeren, prozessorientierten Charakter der Arbeit und verhindert eine hierarchisierende Bewertung der einzelnen Konstellationen. Denn es geht nicht um die Findung eines „idealen“ Arrangements, sondern um das freie Spiel der Elemente im Raum und die Schönheit, die in jeder neuen Konstellation wohnt. So verweist auch der poetische Titel auf die natürlichen Kräfte, die unabhängig von menschlichem Einfluss existieren, und welche die Umwelt beeinflussen, Landschaften formen, Dinge in Bewegung setzen und neue Konstellationen entstehen lassen.

Auf diese Weise vereint bereits diese frühe Arbeit charakteristische Merkmale des künstlerischen Schaffen: die Transformation gefundener Materialien durch gezielte Eingriffe sowie die Gegenüberstellung von organisch gewachsenen und konstruierten Formen.

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